Glashaus Schnee Steiles Gefälle

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Media not available

Dauer 30 Minuten

Tänzerin 1

Musiker 1

1995
Düsseldorf Festival
Tanzfestival Glasgow

Choreographie / Tanz
Helena Nicolao

Taiko Trommel
Josef Lang

Produktion
Helena Nicolao
Düsseldorf Festival

Glashaus Schnee Steiles Gefälle

Die vier Worte GLASHAUS SCHNEE STEILES GEFÄLLE waren der Ausgangspunkt für dieses Solo.

In einer Recherche Konstellation gemeinsam mit vier weiteren Kollegen gaben wir uns gegenseitig  verschieden Begriffe, mit der Idee diese als Inspiration für die Entwicklung eines Solos zu nutzen. So fand ich mich allein mit diesen vier Wörtern im Studio wieder. Es entstand ein dynamisches Solo, dass sich rituell mit einem Kreis und dem Wachstum, von einer Eizelle ausgehend bis ins greise Alter, beschäftigt.

Mit einem Mehlkreis wurde der Raum um die Tänzerin herum markiert, eine Art Schutzkreis, indem dann eine Wandlung stattfinden konnte. Durch das bestäuben des Gesichts und der Haare mit Mehl verwandelten sich diese, in greise faltige Haut und weisses Haar. Repetitives und exzessives Springen und Fallen waren ein kraftvolles Element um das Mehl als grosse Nebelwolke im ganzen Raum zu verteilen. Während der Raum noch in einer Atmosphäre des Nebels eingefangen war verschwand die Tänzerin zum Ende langsam und lautlos, rückwärts gehend in der Dunkelheit.


mizu dake 1

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Media not available

Dauer 55 Minuten

Tänzerin 1

Musikerin 1

1999 – 2001
Tanzhaus NRW
Stadttheater Leipzig
Orangerie Köln
Tanzfestival Dresden im Projekttheater

Choreographie / Tanz
Helena Nicolao

Live Musik Donja Djember

Komposition
Fritz Sitterle, Helena Nicolao

Videoprojektion
Sandra Vasquez de la Horra

Lichtdesign Horst Mühlberger

Produktion
Helena Nicolao
Tanzhaus NRW

Finanzierung
Kunststiftung NRW

mizu dake 1

Presse 

Bistra Klunker, Dresdner neueste Nachrichten

Ein Körper klingt, spricht, spiegelt sich
Mizu Dake – Alles nur Wasser – im projekttheater

Ein Cello, eine Zinkbadewanne, eine Videoprojektion als poetischer Schlusspunkt. Mit dieser spartanischen Ausstattung präsentiert sich die Produktion „Mizu Dake“ (japanisch: „Alles nur Wasser“), die zur Zeit im Projekttheater gastiert, auf der weich ausgeleuchteten Bühne. Zwei Frauen – die Tänzerin Helena Nicolao und die Cellistin Donja Djember – beseelen die karge Umgebung durch Improvisationsmusik und durch Ausdruckstanz. Zwei Körper, zwei Instrumente.

Das Naturelement Wasser ist hier, abgesehen von den paar „materiellen“ Litern in der Badewanne, vor allem eine Metapher des Bewegens. Panta Rei – alles fließt. Alles nur Wasser. Helena Nicolao zeichnet Momente und Übergänge eines rückwärts laufenden Menschenlebens. Die intensive Körperlichkeit mit der die Tänzerin präsent ist, ist eine überzeugende Mischung aus Elementen des Butho Tanzes, Yoga Techniken und Authentic Movement. Die Vielfalt der Mittel wird jedoch nicht in schlichten Abläufen demonstriert – sie wird mit Schlichtheit fühlbar gemacht. Den hellen Mantel über den Kopf gezogen, verwandelt sich Nicolao in eine Gestalt der Unterwelt, die langsam zur Geschmeidigkeit des Körpers zurückfindet. Die Hülle, das Leichentuch fällt, und sie setzt ihren Weg fort, mit Hohlkreuz und glanzlosem Blick, eine Alte noch, die ins Leben zurückgefunden hat. Die Verjüngung wird sichtbar durch den wilden Einsatz einzelner Körperteile: Finger und Handgelenke vollführen orgiastische Tänze, während sich der „Haupt“ Körper noch nach Ruhe sehnt. Donja Djember erzeugt mit ihrem Cello und zum Teil mit ihrer Stimme einen Klangraum, der diesem auf eine Stunde konzentrierten Rückwärtsleben Sehnsucht nach Unendlichkeit zugesteht. Die Frau kommt an den Punkt zurück, wo man die Welt neugierig betrachtet – der Mantel verhüllt sie wieder, doch die Augen sind zu sehen, lebendige, staunende Augen. Es bleibt nur der Schritt ins Wasser, das einem die Kraft zurückgibt, die Worte nimmt und zu ehrlichen, elementaren Lauten befähigt. Der krönende Abschluss dieser eindringlichen Darbietung ist ein großer Schatten an der Wand und eine bis auf die Haut nasse Frau, auf deren Körper sich durch Videoprojektion ein schwimmendes nacktes Wesen bewegt, als wäre es Bestandteil ihrer Haut. Die dichte dieser Produktion weist eine besonders gewinnende Eigenschaft vor: Sie schnürt dem Betrachter nicht die Kehle zu, ist nicht „krisenhaft“, sondern lebensbejahend. Ein sehenswerter Abend.

Daniela Weber, Leipziger Volkszeitung
Absturz in die Kälte des Wahnsinns
Helena Nicolao und Donja Djember gastieren mit Tanz Performance im Horch und Guck
Der erste Teddy knallt in die Ecke, der zweit klatscht mit dem Kopf gegen die Wand. Schreck fährt in die Glieder. Dem dritten Schlag dann begegnen die vom sirrenden Spiel des Cellos eingelullten Sinne hellwach. Bilder vom vergitterten Seelenknast steigen auf, in dem all jene vom Leben Verrückten vor denen versteckt werden, die sich für unverrückbar halten. Im „Kuckucksnest“ wurden sie mit Elektroschocks auf Linie gebracht. Davor gab es kalte Güsse zur Ernüchterung. Immer zur Hand die Zwangsjacke. Die Assoziationen haben einen Namen: „Mizu Dake“ – „Alles nur Wasser“. Eine Performance aus Tanz und Cello und Zinkwanne, die heute zum zweiten und letzten mal über die Bühne geht. So wie das nasse Element im Zuber gefangen bleibt, so befangen steckt Helena Nicolao in ihrer Rolle.

Mit purer, drückender Absicht. Zu entrinnen vermag sie der Einsamkeit des missbrauchten Kindes nur mit dem Winden in die Leere der Prostitution. Beklemmend ausdrucksstark krümmt sich die Tänzerin in den aufsteigenden Wahsinn. Sie leidet, sie ringt, sie presst, sie zwängt – das Gleichgewicht des Aufbäumens findet sie nicht. Die befreienden Flügelschläge versacken im Trenchcoat über dem kurzen Leibchen. Absturz ins kalte Becken. Immer zur Hand das Cello. Donja Djember entrückt in die Welt der Versunkenheit, überschwemmt die Kammer des Irrsinns mit wärmenden Klängen, weitet den Raum ins tiefe Blau. Das ist der Lichtblick im Seelenknast.


Hochzeit im Himmel

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Media not available

Dauer 55 Minuten

Performer 2

2003
Tanzhaus NRW
Projekttheater Dresden

Choreographie, Tanz
Helena Nicolao

Performance, Bodypercussion,  Komposition
Fritz Sitterle

Videoprojektion: Sandra Vasquez de la Horra

Produktion
Helena Nicolao
Tanzhaus NRW

Finanzierung
Kunststiftung NRW, Kultusministerium NRW,  Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf

Hochzeit im Himmel

Presse
Bistra Klunker, Dresdner Neueste Nachrichten
Helena Nicolao feiert im Projekttheater“Hochzeit im Himmel“

Wer glaubt das moderner Ausdruckstanz nicht sinnlich sein kann, hätte nach der Aufführung Hochzeit im Himmel der Griechin Helena Nicolao im projekttheater seine Meinung geändert. Und wer einen Stimmimitator von einem Bodypercussionisten nicht unterscheiden kann (bzw. den Begriff gar nicht kennt), würde vom Begleiter der Tänzerin, Fritz Sitterle, auch etwas lernen können. Wenn Körpersprache als Etikett für klanglich harmonierendes Tanztheater verwendet werden kann, dann hier.

Die zwei Künstler setzen simpel wirkende Mittel ein, die jedoch ein hohes Maß an Handwerk benötigen, um diese Leichtigkeit der konzentrierten Gesten oder durch die Stimme erzeugter Klang und Geräuschkulisse zu assoziieren. Alles nichts wirklich neues und doch so klug und ineinandergreifen durchkomponiert und auch wortwörtlich stimmig.


La Loca

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Media not available

Dauer 40 Minuten

Performer 2

Musiker 1

2006
Kunstraum im Salzmannbau Düsseldorf

Konzept / Künstlerische Leitung / Bühnenbild
Helena Nicolao

Choreographie
Zusammenarbeit Isabel Jones und Helena Nicolao

Tanz/ Performance
Isabel Jones und Helena Nicolao

Musik Komposition
Tobias Liebezeit

Lichtdesign
Jörg Zysik

Produktion
Helena Nicolao
Salamanda Tandem
Kunstraum Düsseldorf

Finanzierung
Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Fonds Darstellende Künste

La Loca

Presse

Thomas Haag    NRZ Neue Ruhr Zeitung  2005
Die Gesänge des Wahnsinns
Helena Nicolao und ihre Gäste ernten im Tanzhaus viel Beifall für die Uraufführung von „La Loca“.

Die Performance beginnt bereits, als die Gäste noch auf den Einlass warten. Helena Nicolao, Simone Obenhack und die Musikerin Ulrike Langer wandern in einer seltsamen Prozession über den Flur, intonieren archaische Gesangslaute. Sie haben sich auf eine gefährliche Reise begeben, loten sie doch in den folgenden 60 Minuten auf der am Samstag abend restlos ausverkauften kleinen Bühne des Tanzhauses die Grenzen zwischen religiöser Ekstase und krankhaftem Wahn aus. In nahezu identischen Kostümen, indisch – folkloristisch inspiriert und mit identischen europäischen rot – braunen Perücken wirken die drei Künstlerinnen wie die Teile einer gespaltenen Persönlichkeit.

Geheimnisvoll und zeitlos
In den Tanzszenen vermischen sich die historischen Grenzerfahrungen eines Inders und einer Französin des 19. Jahrhunderts. Wo der eine als Heiliger verehrt wurde, wanderte die andere in eine Nervenheilanstalt. Dabei gelingt es Nicolao und ihren Gästen eine Szenenfolge zu entwickeln , die auf geheimnisvolle Weise zeitlos wirkt.
Das die Beschreibung der Verzückungszustände stets auch eine sexuelle Komponente birgt, wird durch fliessende Streichel- Einheiten betont, eine Slapstickszene, bei der Stühle, ein Tisch und eine Schublade eine Rolle spielen, ist Rückführung in die Kindheit und symbolisches Aufladen zugleich. Nur wenn durch heftiges aufstampfen und Grimassieren Klischees vom Wahn persifliert werden , überschreiten die Akteure die Grenzlinie zum Peinlichen.
In einer der schönsten Szenen erzeugen die von der Decke hängenden Klangmobiles klirrende – feine Töne, Nicolao steht dazwischen, ohne Perücke, die schwarzen Haare bedecken ihr Gesicht, das stärkste Bild für die Einsamkeit der Verzückung, die Isolation des Wahns. Starker Beifall für drei sehr präsente Künstlerinnen.

Gesa Pölert   RP  Rheinische Post  2005
In Wahn und Erleuchtung
Helena Nicolaos jüngste Choreographie „La Loca“ (Die Verrückte) hatte Uraufführung auf der kleinen Bühne des tanzhauses NRW. Zwei Menschen erleben darin religiöse Ekstasen.

Zwei Frauenkörper stehen hintereinander, ineinandergedrückt. Der vordere Körper wird vom nahezu unsichtbaren Körper dahinter berührt und gesteuert. Ganz leise und sanft. Hände legen sich auf Brustbein, Bauch und Geschlecht. Mit fast rituellen Gesten dirigiert eine Frau die andere, provoziert Wellenbewegungen des Körpers.
In Helena Nicolaos jüngster Choreographie „La Loca“ ( Die Verrückte) uraufgeführt auf der kleinen Bühne des Tanzhauses NRW, geht es um Zustände der Verzückung zwischen Wahnsinn und Erleuchtung.
Die Düsseldorfer Choreographin die sich 1998 auch zur Yogalehrerin ausbilden ließ, greift dabei inhaltlich auf ein Buch zurück: “ Der Heilige und die Verrückte“ von Sudhir Kakar und Caterine Clement. Der Psychoanalytiker und die Philosophin vergleichen das Leben des „Ramakrishna“ in Kalkutta und das Schicksal der Französin “ Madeleine“. Beide erlebten im 19. Jahrhundert ähnliche religiöse Ektasen. Ramakrishna wurde dafür als Heiliger verehrt, Madeleine endete in einer Pariser Nervenklinik.

Helena Nicolao – gemeinsam mit Simone Obenhack und Musikerin Ulrike Langer – faßt das Thema in erstaunlich stille Bilder. Die drei Performerinnen tasten sich leise und langsam an ungewöhnliche Köroerzustände heran. Zwischen Klangskulpturen und Rohporzellan ( teilweise sogar in klingender Porzellankostümierung; alles von Claudia zeppenfeld ) und in geheimnisvollem Licht ( von Tobias Heide ) spüren sie eine Stunde lang dem Wesen mystischer Erfahrung nach.

Wer mit Mystik und Yogakultur nicht so viel am Hut hat, trifft hier auf ein paar allzu einschlägige Szenen. Ramakrishnas Verzückungs- Dichtungen in verstärkter Lautsprecherstimme oder den Ein- und Auszug des Trios als tanzender musizierender Pilgerzug. Schön bleibt aber: Wie sich die Performerinnen in der Stille zurechtfinden.

Klaus Schmidt   WZ  Westdeutsche Zeitung   2005
Tanzende Körper mystisch entrückt
Premiere von Helena Nicolaos „La Loca“

Die drei Akteurinnen treten als Narrenzug auf und als Narrenzug ab. Dazwischen geben sie sich verzückt oder auch beseelt, was zu entscheiden dem Betrachter überlassen bleibt. „La Loca“ nennt Helena Nicolao ihre neue Tanztheaterproduktion, die jetzt im Tanzhaus NRW Premiere hat. Grundlage für das Stück ist ein Buch über zwei Entrückte, von denen man das Glück hat, dass seine Ekstase als religiöse Selbsterfahrung verstanden und verehrt wird, während man die Frau in die Psychiatrie sperrt.

Die beiden Fälle spielen im 19. Jahrhundert. Der Mann lebt in Indien, die Frau in Europa. Ramakrishna in Kalkutta wird schließlich selbst als heiliger gesehen. Madeleine in einer Pariser Nervenklinik behandelt. Erleuchtung und Abweichung von der Norm, zwei Kulturkreise bewerten mystische Erfahrung auf unterschiedliche Weise. Nicolao versucht mit ihren Körperbildern sich den beiden Mystikern zu nähern.

Helena Nicolao und Simone Obenhack tanzen, Ulrike Langer spielt Bratsche aber tanzt auch. Von Langer stammt auch der Soundtrack, der mit einem gekonnt verfremdeten Miles davis Stück beginnt. Eben hängt man noch dem melancholischen Trompetenton von Davis nach, da stürzen Elektronik Beats und Loops das schwebende Jazzstück aus dem Gleichgewicht und so geht es auch Simone Obenhack. Erst räkelt sie sich , dann schüttelt es sie. Man fällt aus dem üblichen heraus, das kann man angstvoll erfahren, aber auch als persönliche Erweiterung sehen. So tritt Helena Nicolao einmal hinter Simone Obenhack, und wie sie da gemeinsam die Körper pulsieren wogen lassen, wirken sie wie ein einziges Wesen, wenn auch mit vier Armen. Ein Geflecht aus Klangstäben hängt in derb linken Bühnenhälfte (Ausstattung Claudia Zeppenfeld) , es sieht aus wie ein kleiner Käfig. Darin kratzt Ulrike Langer an den einzelnen Stäben, schlägt sie später auch an- wie eine Gefangene.

Parallel dazu schütteln sich Nicolao und Obenhack über die Bühne, behangen ebenfalls mit Klangstäben, zwei Entrückte die niemand einsperrt.

Gegen Ende der Aufführung das stärkste Bild: Da erzählt eine Männerstimme vom Band über eine ganz körperlich empfundene mystische Erfahrung. Die Nicolao spricht den Text lippensynchron mit. Das schaut so aus, als spräche eine dritte Person durch sie, das hat auch wieder etwas Verrücktes. Herzlichen Applaus gibt es am Ende für die drei Akteurinnen, deren Sympathie für die „Verrücktheit“, die anderenorts als heilig verehrt wird, unübersehbar war.


BoneSkinPhonie

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Media not available

Dauer 40 Minuten

Performer 2

Musiker 1

2006
Kunstraum im Salzmannbau Düsseldorf

Konzept / Künstlerische Leitung / Bühnenbild
Helena Nicolao

Choreographie
Zusammenarbeit Isabel Jones und Helena Nicolao

Tanz/ Performance
Isabel Jones und Helena Nicolao

Musik Komposition
Tobias Liebezeit

Lichtdesign
Jörg Zysik

Produktion
Helena Nicolao
Salamanda Tandem
Kunstraum Düsseldorf

Finanzierung
Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Fonds Darstellende Künste

BoneSkinPhonie

Text von Holger Haas
BoneSkinPhonie ist eine anmutige Tanzperformance, die das Unten und das Oben sein, den Schmerz, das Leid, die Triestess, das Glück des Alltags in einer faszinierenden Welt aus Tanz und Musik darstellt und ohne viel Worte von den Gegensätzen die Körper und Geist verbinden zu erzählen weiß. Helena Nicolao und Isabel Jones präsentieren eine surrealistische Wirklichkeit von trauriger Schönheit und berührender Intimität. Der Klang des sonst verborgen Bleibenden begleitet die Künstlerinnen durch ihre Darstellung von Innenleben und Traum. Insbesondere die Konfrontation mit sich selbst ist das Herzstück der Performance.

Der Zuschauer kann, darf, ja muss partizipieren und das hautnah. Ein Anfang und ein Ende, welche einen scheinbaren Traum aus Vision und Akustik umschließt, der durch plötzlichen Einsatz von Musik und abrupter Pause vermag, insbesondere die Stille, das Lautlose, als einen fast schon unbekannten Teil der Wirklichkeit ins Bewußtsein zu rücken.

Helena Nicolao und Isabel Jones präsentieren in BoneSkinPhonie eine surrealistische Kunstform, die teils klassische Elemente der emotionalen Welt mit abstrakten Figuren der gedanklichen Welt verbindet.
So öffnet sich z.b. hinter einer verzerrten Perspektive das Bild einer Lichtung, die eine hoffnungsvollere frühzeitlichere Vorstellung von noch unberührter Existenz und deren Idealisierung wiederspiegelt. Der stimmliche Einsatz von Isabel Jones erinnert an eine aus mystischen Erzählungen bekannte Welt der Fantasie, ebenso tiefgründig ist der Umgang mit unorthodoxen Klangfarben.

Tobias Liebezeit reflektiert die Möglichkeiten des Instrumentellen, auch alltägliche Objekte besitzen Ober- und Untertöne, die wenn sie an der richtigen Stelle angeschlagen werden, ihre Frequenzen entfalten. Das Surreale steckt im Detail und dieses offenbart sich, der Umgang mit Subjekten und Objekten, die da sind und sich begegnen, oft aber erst noch entdeckt werden müssen um zu klingen, ist in BoneSkinPhonie eingefangen. Tanz, Rhythmus, Licht, Dunkelheit und Kontext sind durch den stetigen Wechsel von räumlicher Distanz und gefühlter Nähe dieser Performance eigen und hinterlaßen einen Eindruck, dessen Echo noch lange nachhallt.


homezone

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Media not available

Dauer 25 Minuten

Performer 1

Musiker 1

Sängerinnen 3

2008
Bergerkirche Düsseldorf Orangerie Theater Köln

Choreographie/Performance Künstlerische Leitung Helena Nicolao

Komposition/Body Percussion
Fritz Sitterle

Gesang
Chor der griech. orthodoxen Apostel Andreas Kirche Düsseldorf

Lichtdesign
Gernot Schmiedberger

Produktion
Helena Nicolao und Diakonie Düsseldorf

Finanzierung
Landeshauptstadt Düsseldorf, Fonds Darstellende Künste, Stiftung van Meeteren

Journalistin, Autorin
Dr. des. Mithu Melanie Sanyal

homezone

Der Tanzabend HOMEZONE besteht aus zwei Teilen.
Das erste Stück mizu dake 2 getanzt von Mu-Yi Kuo. Das zweite Stück homezone getanzt von Helena Nicolao.


……und so beginnt das zweite Stück als Transformation auf allen Ebenen. Die Stühle stehen nun um die Tanzfläche herum, die nicht mehr das geisterhafte Weiß der Erinnerung ist, sondern echtes, grünes Gras, das die Kirche mit seinem saftigen Duft erfüllt. Auf den mehreren Quadratmetern Rollrasen liegt Helena Nicolao selbst, zum Anfassen nahe, als sei sie gerade vom Himmel gefallen. Ihr zu Füßen sitzt der Musiker Fritz Sitterle, der das Stück kongenial mit Mundpercussion und einem Saxophon ohne Mundstück begleitet. Auf der Kopfseite singen drei Frauen aus dem Chor der griechisch-orthodoxen Gemeinde, eine von ihnen ist Nicolaos Mutter. So wie die Sinne unmittelbar und explosionsartig angesprochen werden, kann von Distanz keine Rede mehr sein. Die Zuschauer werden von der Präsenz der Tänzerin so angezogen, dass sie schließlich durch ihre Augen zu blicken scheinen. Die Grenze zwischen drinnen und draußen, ich und all löst sich auf, der Schleier hebt sich und übrig bleibt eine Frau, die nahezu überirdisch schön erscheint. Helena Nicolaos Tanz ist magisch ohne esoterisch zu sein. Sie sieht aus wie eine Fee, ein Vogel, ein Wesen an der Grenze des Realen. Das sind ihre Mittel, mit denen sie sich an die großen Fragen heranwagt. Wo komme ich her? Wo gehöre ich hin? Heimat? Diese Frage hatte sie zuvor an die Besucher gestellt und die Antworten, aufgenommen mit einem Diktiergerät, führt sie nun zu ihrem Gesicht, so dass die Stimmen auf Band über das Sendemikrophon an ihrer Wange hörbar werden, sich wieder zu Gemurmel entfernen und wieder nahekommen, je nach Bewegung der Tänzerin. Es geht um Umwälzung und Integration: der verschiedenen Generationen und Konfessionen, am Altar der griechisch-orthodoxe Chor wie die Ahnen, in der Mitte des Publikums der moderne Tanz, Religion mit mittelalterlicher Bildsprache und Heidentum mit Gras und der Erde auf dem Kirchenboden. Das Stück endet damit, dass die Tänzerin das Gras gießt. Ein zeitloses Bild der Wiederkehr des Lebens, das so eindringlich ist, dass es noch Stunden später sofort auf der Netzhaut entsteht, wenn man die Augen schließt.

 


mizu dake 2

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Media not available

Dauer 40 Minuten

Performer 1

2008
Bergerkirche Düsseldorf
Orangerie Theater Köln

Choreographie
Helena Nicolao

Tanz
Mu- Yi Kuo

Komposition
Fritz Sitterle

Video
Sandra Vaquez de la Horra, Gudrun Kemsa

Lichtdesign
Gernot Schmiedberger

Finanzierung
Kunststiftung NRW

mizu dake 2

Der Tanzabend HOMEZONE besteht aus zwei Teilen.
Das erste Stück mizu dake 2 getanzt von Mu-Yi Kuo. Das zweite Stück homezone getanzt von Helena Nicolao.

Dr. des. Mithu Melanie Sanyal, Journalistin Autorin 2008
Magisch ohne esoterisch zu sein
Ein Tanzabend von Helena Nicolao ist so viel mehr als ein Tanzabend. Es ist ein Ritual, eine Reise durch alle Sinne, die bis zur Unerträglichkeit gesteigert sind, eine Rückkopplung an die Essenz des Seins.

Ort ist eine Kirche im Herzen der Düsseldorfer Altstadt, leer bis auf eine Art Altar und eine Zinkwanne voller Wasser. Die Zuschauer sitzen auf Plastikstühlen im Eingang, während sich die Tänzerin Mu-Yi Kuo zur Kanzel schleppt. Die Junge Frau ist eine alte Frau, die durch ihr Leben zurückschreitet, bis sie schließlich in die Gebärmutter der Zinkbadewanne zurück kriecht. Doch Mu-Yi Kuo ist auch Helena Nicolao, deren autobiographisches Stück sie übernommen hat. Als Kuo im Mutterleib angekommen ist, erscheinen auf dem Altar Originalaufnahmen von Nicolao, aus einer Aufführung desselben Stück von vor 10 Jahren. Die Ebenen verschwimmen, Leben blenden ineinander über das letzte Bild des Stücks ist der Nasse Leib Kuos, die vor dem Altar sitzt, mit der Projektion Nicolaos auf ihrem Bauch. Die Entfernung zum Geschehen, das Licht, das direkt auf das Publikum gerichtet ist, so dass sie die Tänzerin, die davon wie von einer Mandelglorie umgeben ist, manchmal nur schemenhaft sehen können, die technische Präzision des Tanzes und die kühlen Weiß-, Blau- und Grüntöne erzeugen eine Distanz, die der zeitlichen Distanz zur Schaffung des Stücks der Choreografin Nicolao Rechnung trägt. Hier hat eine die Vergangenheit so losgelassen, dass sie sie weitergeben kann an die nächste Generation, aber auch, dass sie zulassen kann, am Ende zurück in das Nichts zu gehen, um wiedergeboren zu werden.

Melanie Suchy, Rheinische Post April 2008
Tanz im Schoß der Bergerkirche — ein Tanzabend mit Helena Nicolao und Gästen
Auf der Altarwand ziehen Wolken über den Himmel. Vom Blick ins freie scheint der projizierte Film zu künden, während sich von der Tür der Bergerkirche her langsam jemand nähert, barfuß, im Mantel, den Kopf gebeugt wie unter einer Lebenslast. Fasst eine wankende Skulptur.

Eine Frau tanzt mit luftigen Armen, sie zwirbeln um ihren Kopf, platzen auseinander. Sie rennt und zögert, erstarrt: Szenen aus Lebensstationen, von hinten nach vorne abgespult. Auf bodennahes Krabbeln folgt zusammengekrümmtes Liegen in einer nassen Wanne.

Der Titel „Mizu Dake“ raunt. „Alles Wasser“. 1999 tanzte Helena Nicolao es selbst, nun hat sie das von Fritz Sitterles elektronischem Sirren und Pochen begleitete Stück an die wunderbare Tänzerin Mu-Yi Kuo abgegeben. Bravo!


living room im winter

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Media not available

Dauer 60 Minuten

Performer / Musiker 9

2012
Villa Sträuli Winterthur

Konzept / Künstlerische Leitung Helena Nicolao

Improvisation, Komposition, Choreographie und Video von und mit
Sunlay Almeida – Rodriguez, Tanja Büchel, Ricardo Eizirick, Brigitte Heusser, Daniel Hellmann, Irene Mazza, Helena Nicolao, Klaasje Nieuwhof, Alfred Vorster

Produktion
Helena Nicolao und Villa Sträuli

Finanzierung
Durch die die Kulturstiftung Winterthur

living room im winter

In „living room im winter“ geht es um die Erforschung eines performativen Zustandes, der durch seine nichtmaterielle und bewegliche Natur, schwer zu erfassen ist. Hierbei liegt der Fokus auf den kommunikativen Möglichkeiten der Performer, sowie der Fähigkeit zu einer differenzierten und reflektierten Wahrnehmung. Die Performer bewegen sich in allen Räumen des Hauses, den öffentlichen sowie den privaten. Vom Keller durch das Treppenhaus, in die Küche und bis in die Schlafzimmer der Hausbewohner.

Ich gehe davon aus, dass die Qualität der performativen Präsenz sich durch eine gezielte Wahrnehmungssensibilisierung verändert. Bewusst trenne ich den semiotischen vom phänomenalen Körper und konzentriere mich auf die räumliche und klangliche Bewegung innerhalb und ausserhalb der eigenen Körpergrenzen, sowie im Dialog mit dem umgebenden Raum. Mein Interesse gilt der performativen Präsenz, sowie der Atmosphäre der ausgewählten Räume und den verschiedenen Möglichkeiten der wechselseitigen Annäherung. Über die Körperlichkeit, Räumlichkeit und Lautlichkeit erschließt sich den Performern, die Materialität des Raumes. Der performative Körper wird zum Resonanzraum, der in der Lage ist, feinste Veränderungen durch den Klang und die Perspektive zu erkennen. Wenn das Bewusstsein der Performer auf die körperlichen Reaktionen sensibilisiert ist, ohne diese kontinuierlich willentlich beeinflussen zu wollen, entsteht ein wachsamer, jedoch nicht eindeutig kontrollierbarer Zustand. Dieser Bewusstseinszustand unterstützt einen qualitativ gehaltvollen Dialog des Performers, mit dem ihn umgebenden Raum. Er erlaubt diesem Raum, in seiner spezifischen Struktur Einfluss auf ihn zu nehmen bzw. ordnet sich der bereits vorhandenen Struktur unter. Er zwingt sich dem Raum nicht auf, sondern lässt sich von dessen Materialität bewegen. Schließlich wird er zum Beobachter seines eigenen Verhaltens. In diesem Fall ist er nicht Bedeutungsträger für eine inhaltliche Aussage, die an die Zuschauer transportiert werden soll. Sondern er performt den Prozess der Veränderung durch seine Anwesenheit als sich ständig verändernder Organismus und verkörpert gleichzeitig dadurch, den Dialog mit dem Raum.

Auf diese Weise betrachtet, stellt die Performance forschend den Prozess als solches in den Mittelpunkt.


living room im sommer

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Media not available

Dauer 60 Minuten

Performer / Musiker 13

2012
Villa Sträuli Winterthur

Konzept / Künstlerische
Leitung Helena Nicolao

Improvisation, Komposition, Choreographie und Video von und mit
Tanja Büchel, Alice Solveig Belle, Valerija Coric, Leah Edgerton, Mayte Frey, Florian Hunziger, Brigitte Heusser, Maka Mamporia, Klaasje Nieuwhof, Helena Nicolao, Natascha Ruegg, Benjamin Ryser, Annelise Schmid, Jennifer Vogel

Produktion
Helena Nicolao und Villa Sträuli

Finanzierung
Die Produktion wurde finanziert durch die Agentur Z+ (Disziplinen übergreifende Projekte der ZHdK)

be-coming

Nach living room im winter folgte living room im sommer mit neuer Besetzung. Das Konzept, als begehbare Performance blieb erhalten, wurde aber mit neuen Inhalten gefüllt. Durch die sommerlichen Temperaturen war es möglich auch Aussenräume, wie den Garten und die Balkone, einzubeziehen. Andere Räume wiederum, wie das Schlafzimmer einer Bewohnerin, standen uns nicht mehr zur Verfügung.


207

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Media not available

Dauer 30 Minuten

Performer 2

Musiker 2

2012 Tanzhaus Zürich

Konzept / Künstlerische Leitung
Helena Nicolao

Choreographie
in Zusammenarbeit Tanja Büchel und Helena Nicolao

Tanz / Performance
Tanja Büchel und Helena Nicolao

Musik / Komposition
Klaasje Nieuwhof und
Benjamin Ryser

Beratung Bühnenbild
Nuria Krämer

Lichtdesign
Anutoshen Hyer

Produktion
Helena Nicolao

Finanzierung
Die Produktion wurde finanziert durch eine Arbeitsresidenz im Tanzhaus Zürich und die Agentur Z+ (Disziplinen übergreifende Projekte der ZHdK)

207

«207» ist eine Kooperation von zwei Performerinnen, einer Bildenden Künstlerin und 40 kg Rinderknochen. In Zusammenarbeit mit einer ehemaligen Studentin des Masters in Transdisziplinarität entwickeln wir ihre bereits begonnene Recherche gemeinsam weiter und fokussieren auf das Thema der Taktilität.

In ihrer Masterarbeit hatte Nuria Krämer bereits diese 68kg Knochen über mehrere Wochen bearbeitet. Unter anderem wurden sie von ihr ausgekocht, um dann aus dem Extrakt Seife herzustellen; ausgewählten Resultaten aus Prozess- und Produktperspektive wurde in einer installativen Arbeit Form gegeben. Diese Knochen stellt sie uns nun zur Verfügung. Sie sind in ihrer physischen Anwesenheit Ausgangspunkt unserer Arbeit. In verschiedenen Versuchsanordnungen setzen wir uns mit der Textur der Knochen auseinander. 40kg verarbeitete Rinderknochen sind so zerbrochen worden, dass jeder einzelne Knochen eine einzigartige Form angenommen hat. Dieser Knochenberg eines toten Rindes als einzig präsentes und tastbares Material erinnert an ein vergangenes Leben. Die Grundstruktur der menschlichen Knochen ist dieselbe wie die der Rinder. Das Tasten der lebendigen Knochen am eigenen Körper ist dem Tasten der toten Materie ähnlich, impliziert aber eine andere Präsenz. Beide Knochensubstanzen, die tote und die lebendige, werden taktil erfasst und mit verschiedenen künstlerischen Mitteln wie Bewegung, Text und Klang dokumentiert und inszeniert.

Text: Wir untersuchen die Textur der Knochen und dokumentieren diese in «Tastprotokollen». Ein Tastprotokoll beschreibt möglichst genau und differenziert die Textur und Form einzelner Knochenteile, die wir über die Berührung unserer Hände ertasten können.

Bewegung: Wir choreografieren tänzerische Sequenzen, indem wir einzelne Knochen auswählen und die Form der Knochenteile in Bewegung übertragen.

Klang: Wir untersuchen den Klang der Knochen, so beispielsweise das Kratzen, wenn man sie aneinander reibt oder den Klang eingetrockneter Knochenhaut, die angezupft wird. Dabei verstärken und manipulieren wir diese Klänge mit elektronischen Mitteln.

Bewegung und Klang: Wir experimentieren mit spezifischen Berührungstechniken an der eigenen lebendigen Knochensubstanz, sammeln, vergleichen und dokumentieren die verschiedenen Bewegungs- und Stimmqualitäten, die sich aus dieser sensorischen Erfahrung heraus ergeben.